Was hat das (salonfähige) Lügen mit der Kreditklemme zu tun?

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Offensichtlich ist es nicht so einfach, die Wahrheit zu sagen. Natürlich vor allem dann, wenn sie unangenehm ist. Aber in der heutigen Zeit, wo fast alles einfach geprüft werden kann? Warum sagt ein Minister nicht die Wahrheit und leugnet bis zum Schluss die Plagiatsvorwürfe? Warum leugnet ein Bundespräsident bis zum Schluss? Und schließlich kommen alle doch mit der Wahrheit heraus.

Der Herr antwortete mir: “Wenn du anderen Sinnes wirst und zu mir zurückkommst, will ich dich wieder in meinen Dienst aufnehmen. Wenn du keine unwürdigen Worte mehr von dir gibst, sondern nur noch Worte, die es wert sind, ausgesprochen zu werden, darfst du weiterhin mein Bote sein. Dann werden alle, unter denen du jetzt leidest, auf dich hören. Du selbst sollst dich aber nicht von ihnen beeinflussen lassen!”
Jeremia 15,19

Jeder kennt den befreienden Moment, wenn man mit der Lügerei aufhören kann, aber warum tun wir uns das ganze überhaupt an? Warum glauben die “Mächtigen” der Welt, dass sie uns anlügen müssen und auch können? Und, was hat das mit der Kreditklemme zu tun?

Muss man heute lügen?

In den letzten Wochen hat mich meine Vergangenheit kurz und in mehreren Etappen eingeholt und ich habe mich ein wenig in Selbstmitleid gesuhlt. Daher hatte ich auch nicht die Kraft und den Willen, hier was neues zu schreiben. Vor allem eines hat mich sehr schockiert: Ich war vor Gericht und hab für mein Recht auf Verteidigung gekämpft. Da ich mir keinen Anwalt leisten kann, habe ich um die Zuteilung eines Verfahrenshelfers angesucht, denn für die Causa, um die es geht, herrscht Anwaltszwang. Nun, ich wurde zum Gericht vorgeladen und habe mein Anliegen zur Sprache bringen wollen. Die Richterin war aber natürlich nicht sonderlich daran interessiert und hat mich förmlich dazu gedrängt, etwas nicht richtiges zuzugeben. Hätte ich also gelogen, wäre mir die Verfahrenshilfe genehmigt worden. So aber, ich blieb bei der Wahrheit, wurde sie mir nicht genehmigt (wie die Rekurs darauf ausgeht, weiß ich noch nicht).

“Lügen habe kurze Beine” aber offensichtlich braucht man in der Juristerei diese kurzen Beine und werden sie gefordert. Und nicht nur dort. Wie sonst ist es zu erklären, dass immer mehr Politiker und “hochrangige Persönlichkeiten” beim Lügen ertappt werden. Man fragt sich unweigerlich: Warum nur ist das Lügen so in Mode gekommen? Und, für wie blöd halten die uns alle? Der Ex-Verteidigungsminister wird wohl demnächst wieder auf der Matte stehen und seine nur kurz unterbrochene politische Karriere fortsetzen. Warum auch nicht? Was hat er schon getan? Und der Bundespräsident, der gerade eben erst zugeben musste, dass ihm die freie Meinungsäußerung nichts wert ist, wird wohl auch mit einem blauen Auge davonkommen. Wieso denn auch nicht, was hat er schon getan?

Das geht aber so weiter. In allen Bereichen werden wir angelogen. Sei es bei der Finanzierbarkeit der Renten, sei es bei den Auswirkungen der Wirtschaftskrise oder bei den gesundheitlichen Auswirkungen einer neuen – was weiß ich – Erdäpfelsorte. Egal was, wir werden angelogen. Es ist aber nur oberflächlich so, dass die “Bürger” das auch glauben. Denn im tief in uns drinnen wissen wir alle längst, dass wir nur angelogen werden. Das Ergebnis ist, dass wir den Politikern nicht mehr trauen. Doch auch untereinander schwindet das Vertrauen. Jeder verspricht dem anderen vollmundig alles, erfüllt wird aber nur das wenigste, wenn überhaupt. So auch bei den Banken, die untereinander kein Geld mehr leihen, weil keine Bank der anderen traut. Lieber wird das Geld bei der Europäischen Zentralbank geparkt, als es einem langjährigen Partner zur Verfügung zu stellen. Denn, wer weiß schon, was der damit vorhat, ob man es denn auch jemals zurückbekommt. Und es wird also nicht lange dauern, bis dieses Misstrauen auch bei uns “Kleinen” zu spüren sein wird: Die Banken werden dem Häuslbauer und dem Unternehmer keinen Kredit mehr geben, weil niemand mehr Kredit hat. Das nennt man dann “Kreditklemme”.

 

Die wahre Kreditklemme

Das Wort Kredit stammt vom lateinischen “credere” ab, was soviel wie “(ver-)tauen oder glauben” bedeutet. Borgt man also jemanden z.B. Geld, so muss er in erster Linie für mich (als Verleiher) glaubwürdig sein. Wenn er glaubwürdig ist, dann ist er also kreditwürdig. Ich kann in diesem Falle darauf vertrauen, dass ich das verborgte zurückbekomme. Wenn ich darauf aber nicht mehr vertrauen kann, der andere also keine Kreditwürdigkeit, keine Glaubwürdigkeit, besitzt, werde ich ihm nichts geben.
Ohne Vetrauen auf die Rückgabe des Geborgten wird auch niemand mehr verleihen, es wird keinen Kredit, kein Vertrauen, mehr geben. Willkommen in der Kreditklemme. Und das ist schädlich für unser Wirtschaftssystem, das auf Wachstum aufbaut und für dieses Wachstum Kredite für Investitionen benötigt. Wenn es diese nicht mehr gibt, dann kann es kein Wachstum mehr geben. Ohne Wachstum steigt aber die Zahl der Arbeitslosen und die Armut nimmt zu.

Somit ergeben sich aus dieser Sichtweise zwei Lösungsmöglichkeiten:

  • wir ändern unser Wirtschaftssystem
  • wir ändern unseren Umgang miteinander und halten es wieder alle mehr mit der Wahrheit.

Ich will jetzt nicht in die Diskussion, ob unser System überhaupt sinnvoll ist, einsteigen, mir geht es mehr um den 2. Punkt. Denn der betrifft uns alle ja in allen Lebensbereichen, nicht nur in der Wirtschaft. Auch im gesellschaftlichen und im persönlichen Zusammenleben in der Beziehung mit unserem Partner und unseren Familien.

Daher auch der Vers aus dem 15. Kapitel des alttestamentarischen Jeremia-Buches.  Hier klagt Jeremia Gott sein Leid und Gott antwortet ihm. Ich gebe Sie hier nochmals wieder, dann brauchen Sie nicht hinaufzuscrollen:

Der Herr antwortete mir: “Wenn du anderen Sinnes wirst und zu mir zurückkommst, will ich dich wieder in meinen Dienst aufnehmen. Wenn du keine unwürdigen Worte mehr von dir gibst, sondern nur noch Worte, die es wert sind, ausgesprochen zu werden, darfst du weiterhin mein Bote sein. Dann werden alle, unter denen du jetzt leidest, auf dich hören. Du selbst sollst dich aber nicht von ihnen beeinflussen lassen!”
Jeremia 15,19

In diesem Vers wird somit das 9. Gebot, das Gott Mose gab,

Du sollst keine falsche Aussage über einen deiner Mitmenschen machen.
2. Mose 20,16

nur etwas mehr ausgeschmückt und gibt ihm einen breiteren Wirkraum, auch mit der Maßgabe, dass Gott uns vergibt, wenn wir mal lügen und uns dann dazu bekennen und umkehren, also zu ihm zurückkommen. Jedoch nicht nur lügen, auch das sinnlose plappern, alleine um des Redens willens und um einen anderen runterzumachen (dissen, wie man heute so schön sagt) sollte man unterlassen. Gegenseitiger Respekt ist gefordert!

Die Lüge nährt die Lüge, es kommt einfach nichts Gutes dabei raus. Die Welt scheint eben so konstruiert zu sein, dass am Ende das Gute gewinnt. Also, warum soll man nicht gleich die Wahrheit sagen? Warum “Zeit” gewinnen mit einer Lüge, mehr ist es meist nicht. Die Konsequenzen sind nach dem Aufdecken einer Lüge viel schlimmer als wenn man gleich seinen Fehler, den man mit der Lüge kaschieren will, zugibt. Warum weiterhin unwürdige Worte gebrauchen, wenn am Ende ohnedies alles rauskommt. Man kann sich ja den Stress ersparen. Und man kommt wieder zu einer klaren Sprache, wie sie auch schon unser Herr Jesus forderte:

Sagt einfach “Ja” oder “Nein”. Jedes Wort darüber hinaus ist vom Bösen.
Matthäus 5,37

Nachdem heute erst der 8. Jänner, das Jahr also noch jung ist, andererseits wohl schon die meisten Neujahrsvorsätze gebrochen sind: wie wär’s dann mit einem neuen Vorsatz für 2012? Weniger lügen, mehr wahrhaftig sprechen? Kein “hinten-herum-reden”, mehr einfach ja oder nein? Machen Sie mit?
Denn diese klare Sprache, bei der man auch Fehler und Vergehungen anspricht und zugibt und wo man nicht lügen muss, werden Vertrauen wieder aufbauen und uns aus der Kreditklemme holen, meint

Ihr

 

WirtschaftsGott

 

 

 

 

 

 

Bilderquellen:
Lüge ins Gesicht geschrieben, Gerd Altmann, pixelio.de
Lügen haben kurze Beine, Andre Nolte, pixelio.de
Falschgeld, dr.xmas, Flickr.com 

 

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6 Antworten auf "Was hat das (salonfähige) Lügen mit der Kreditklemme zu tun?"

  • Frederick says:
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