Überheblichkeit, Konflikte und die Demut

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Der Advent steht vor der Tür und man ist wieder auf der Pirsch nach Weihnachtsgeschenken. Es muss was tolles sein, denn man will ja nicht als Schnorrer da stehen, der nichts kauft oder bestenfalls nur etwas günstiges. Die anderen sollen ruhig sehen, und was man hat und, viel wichtiger, was man sich leisten kann.  Man denke nur an die Werbung einer Bank vor einigen Jahren “mein Haus, mein Auto, mein Boot”. Andere zu beeindrucken, andere klein zu machen, sich herausstreichen scheint das wichtigste zu sein.

Der heutige Vers stammt aus dem Brief des Apostels Paulus an die Philipper:

Seid nicht selbstsüchtig; strebt nicht danach, einen guten Eindruck auf andere zu machen, sondern seid bescheiden und achtet die anderen höher als euch selbst. Denkt nicht nur an eure eigenen Angelegenheiten, sondern interessiert euch auch für die anderen und für das, was sie tun.
Philipper 2,3.4

Überheblichkeit und Prahlerei

Selbstsüchtigkeit und das Streben einen guten Eindruck auf andere zu machen sind die größten Feinde der Einigkeit unter Menschen. Unter Selbstsüchtigkeit kann man verstehen, dass man immer an erster Stelle stehen will, egal was es auch kostet. Das Streben nach dem guten Eindruck ist ein übertriebener Stolz und ein übertriebener Hang zur Selbstdarstellung. Mir fällt da sofort der eitle Gockel auf dem Misthaufen ein.

Es ist nicht nur so, dass uns immer wieder solche Menschen begegnen. In jeder Gruppe gibt es Vertreter dieser “Spezies”. Aber, man nehme erst den Pfosten vor den eigenen Augen weg, bevor man den Splitter im Auge des Gegenübers sieht: Wie oft geht es uns auch so? Wie oft wollen wir besser sein als andere? Wie oft erwischen wir uns bei der Selbstdarstellung und Prahlerei? Wer hat sich noch nicht erwischt, als er überheblich auf andere herabgeschaut hat?
Doch dies ist gefährlich

  • in Gruppen: Gruppen, die zusammenarbeiten wollen (sei es nun in einem Verein, in der Firma, in der Familie oder gar der EU) tragen damit den Keim von Streit und Zwietracht bereits in sich. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er aufgeht.
  • für einen selbst, da man abzuheben droht, die Bodenhaftung verliert und die Menschen um einen herum verletzt. Ich muss da immer an einen Song aus dem Jahre 1969 denken. “Spinning Wheel” von Blood, Sweat & Tears. Der Song fängt bezeichnend an: “What goes up must come down”. Und ich muss zugeben, ich habe mir noch nie die Mühe gemacht, ihn bis zum Schluss konzentriert zu hören um ihn zu übersetzen. Vielleicht geht es auch in eine ganz andere Richtung, aber alleine diese sechs Anfangswörter … wie wahr. Was auch immer raufgeht, es kommt wieder runter. Auch der Prahler, der Hochnäsige, der Selbstsüchtige, der Überhebliche wird wieder runter kommen. Je höher, desto größer die Fallhöhe.

 

Bescheidenheit = Langeweile?

Die Lösung des Problems kann man im zweiten Teil des Verses sehen “… seid bescheiden und achtet die anderen höher als euch selbst.” Klingt logisch, wenn man sich die christliche Botschaft der Nächstenliebe vor Augen hält. Aber bedeutet das nicht in letzter Konsequenz, dass wir alle duckmäusern und ein kleinkariertes Leben führen sollten? Nur keine Visionen haben, nach nichts streben, nicht besser, schneller, schöner werden? Kann das wirklich der Ratschlag sein?

Selbstverständlich nicht! Unser Herr hat uns eine Welt der Fülle geschenkt und will, dass wir auf Erden eine gute Zeit haben und uns an seiner Schöpfung erfreuen. Somit kann hier auch nicht gemeint sein, dass wir mieselsüchtig und freudlos dahinvegetieren. “Das sei fern!”, wie es Paulus immer so schön ausdrückte, wenn etwas ganz ganz daneben ist. Diese Selbstdarstellung und Selbstsüchtigkeit, diese Überhöhung des eigenen Ichs führt uns ja geradewegs zur Neidgesellschaft, oder? Wir sind neidig auf des Nachbars Haus, Auto und Boot. “What goes up must come down” … und wie freuen wir uns erst, wenns ihn auf die Schnauze haut?

 

Konflikte und Streitigkeiten

Die Überhöhung des eigene Ichs führt zu Konflikten und Streitigkeiten. Da immer weniger an den Anderen gedacht wird, es nur wichtig ist, den eigenen Standpunkt durchzukriegen, egal was es kostet, kommt es zu Reibungsflächen, entsteht Reibungsenergie, die sich irgendwie abbauen muss. Gehen wir von der persönlichen Ebene weg und hin auf eine Makroebene, so kann man das heutige Geschehen gut einordnen. Wir leben in Europa in einer Gesellschaft, die auf Biegen und Brechen (gemeint: egal was es anderen kostet, Hauptsache uns kostet es nichts) das Erreichte verteidigen will. Es herrscht das Florianiprinzip. Sparen wird zwar als notwendig erkannt, aber nicht bei einem selbst, sondern immer nur beim anderen.  Jeder weiß, dass etwas geschehen muss, jedoch soll dieses Geschehen sein Leben nicht beeinflussen. Seien es nun Lehrer, die nicht länger arbeiten wollen, Beamte, deren Lohnrunde geringer ausfallen soll als die Inflationsrate oder Einsparungen bei der öffentlichen Verwaltung. Gerade bei letzterer ist zwar jeder dafür, jedoch nur solange, solange es nicht “seine” Gemeinde, “sein” Bundesland, “sein” Krankenhaus oder “seine” Verwaltungsbehörde betrifft.

Nein, wenn man nicht die Sichtweise des anderen auch verstehen kann und vor allem will, dann wird man keine dauerhafte Lösung eines Konflikts erreichen. Dann werden die Verteilungskämpfe, die uns bevorstehen nur grauslich und keinesfalls lösungsorientiert.

 

Demut

Was man gemeinhin als das Eingehen auf die Sichtweise des anderen bezeichnen kann, kann man auch als demütig bezeichnen. Demut, einer dieser alten christlichen Ausdrücke, mit denen heute kaum noch einer was anzufangen weiß. Sehen wir den oben zitierten Vers nach der Luther-Übersetzung an:

Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den andern höher als sich selbst, und ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient.
Philipper 2,3.4 (Luther)

In Demut. Auf den anderen eingehen. Gelten lassen, was ist und vor allem ihn, den anderen, gelten lassen! Das ist hier gefordert. Zugegeben, in der heutigen Zeit eine ungewohnte Tugend, aber mit ihr kann das Zusammenleben, kann die Konfliktlösung, können die Verteilungskämpfe zwischen Arm und Reich, zwischen Jung und Alt zwischen Nord und Süd gelingen. Wenn wir uns gegenseitig respektieren, wenn wir uns nicht selbst auf die Schulter klopfen und den anderen klein machen wollen, wenn wir den anderen gelten lassen und ihn ernst nehmen, wir also demütig und mit Sicht auf den anderen handeln, dann kann es die dringend nötigen Lösungen geben, meint

 

Ihr

 

WirtschaftsGott

 

 

Bilder:
eitler Gockel, wikipedia
Heiliger Florian, wikipedia

 

 

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9 Antworten auf "Überheblichkeit, Konflikte und die Demut"

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