Dinge, die die Welt nicht braucht.

Heute hat sich Ihr Wirtschaft$Gott mal wieder seine Nachrichten auf Facebook angesehen und stieß dabei auf eine Nachricht, die zwar schon mit 6.12.2010 datiert, die aber dennoch zu denken gibt. Der Absender – nennen wir ihn Alfons – schriebt hier: „Weisst Du, das Leben ist zu kurz alles zu schwarz zu sehen oder vieles durch die oberkritische christliche Brille zu sehen. Es gibt tatsächlich Dinge die in die Kategorie "was die Welt nicht braucht" fallen. :D“.

Paradies wird Hölle

Nun, irgendwie sitzt das. Die „oberkritische christliche Brille“ klingt so nach kirchlichem Dogmatiker. Ich betrachte mich nicht als Werkzeug irgendeiner Kirche, wenn ich mich auch meiner Kirche sehr verbunden fühle. Ist es nicht so, dass die Welt einfach so ist, wie sie ist; viele sagen eine schlechte Welt sei sie? Nun, ich beschreibe nur die Umwelt, wie ich sie mit meinen Augen und Ohren, mit meinen Sinnen sehe, höre und empfinde. Aber, die Welt kann ja nicht schlecht sein, sie ist von Gott und er macht nichts Schlechtes. Oder? Nein, die Menschen, vielmehr ihre Handlungen, schaffen es, aus der Welt eine Hölle zu machen. Seit Adam und Eva wird daran fleißigst gearbeitet, aus dem Paradies die Hölle zu machen. Vielleicht waren wir ja noch nie so nahe am Ziel dran wie heute.

In diesem Sinne also: Sollte es noch Leser da draußen geben (ich muss zugestehen, die letzten Monate waren sehr stressig und ließen keine Zeit für einen vernünftigen Beitrag), würde mich ihre Meinung darüber sehr freuen: Habe ich mich beim Ausdruck meiner Meinung hier in diesem Blog zu negativ artikuliert?

Auswüchse

Es ist ja nicht so, dass ich alles negativ sehen will. Ich benenne nur negative Auswüchse, die ich an der Gesellschaft betrachte und die, wie ich meine, antichristlich sind. Jedenfalls will ich einen Denkanstoß geben, einen anderen Blick auf die Sachlage ermöglichen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ich bin also kein Ordensmann, der mit dem Bußwerkzeug ausrückt, oder ein guter Puritaner, der keine Freude am Leben hat und sie damit auch anderen nicht gönnt.

Ganz seltsam wird‘s dann aber mit Alfons‘ Schlusssatz: „Politik und Wirtschaft aus Sicht der Bibel brauche ich einfach nicht. Was hat Jesus zur Welt bemerkt? Gebt dem Kaiser was des Kaisers ist.“

Das hat irgendwie – jedenfalls unterschwellig – gesessen. Ja, ist es denn wirklich so? Zweifelsohne hat Jesus dieses Zitat gesagt, es steht ja so in der Bibel (Mattäus 22,21, Markus 12,17 und Lukas 20,25). Doch meinte er damit wirklich, dass wir uns hier auf Erden wie die Wilden aufführen können? Nun gut, sein Reich (gemeint ist Gottes Reich) ist nicht von dieser Welt (Johannes 18,36), das wohl, wir beten ja auch im Vaterunser das sein Reich (also das „Himmelreich“) komme. Und dennoch, entbindet es uns nicht von der Verantwortung. Warum wohl hat uns Jesus höchstselbst mit der Bergpredigt (Mattäus 5-7) DIE Richtschnur für ethisches Verhalten hinterlassen, aus der man soviel lernen kann? Nur damit wir uns auf Erden wie Sau (verzeihen Sie bitte den Ausdruck, er passt aber so toll) aufführen?

Alles wurscht

Alfons‘ Gedanken weitergeführt heißt das, dass man sich einen Kehricht um Sachen wie Gaddafi, explodierende Atomkraftwerke oder auch um den Nächsten scheren braucht. Die "Alles wurscht" oder "Mir doch egal" Gesellschaft? Der Kaiser wird‘s richten, es ist ja nicht von dieser Welt, das Himmelreich, und als solches braucht man sich um das, was auf der Erde geschieht, nicht kümmern. Vollkommen egal, ob dort Menschen bombardiert werden, andere verstrahlt oder der Obdachlose, den wir eben in der Fußgängerzone verächtlich ansahen, nicht weiß, wo er die Nacht verbringen soll. Denn dass ist die ultima ratio dessen, was Alfons mit Jesu Aussage meint. Und dass kanns aber nicht sein, oder merken Sie nicht auch innerlich einen Widerstand gegen diese Interpretation aufsteigen. Hmmh.

Ja, so einfach wärs natürlich fein, doch so spielt es das nicht. Denn wenn es so wäre, wozu dann arbeiten, wozu „vernünftig leben“, wozu sich Gedanken über die Welt, die wir unseren Kindern hinterlassen, machen (Umweltschutz)? Nein, Alfons‘ Einwände führen in die Kulturlosigkeit, in ein Barbarentum, in eine Zeit, die wir lange überwunden glaubten.

Ich bleibe dabei, das Christentum, die Bibel, hat sehr vieles zu sagen, auch und gerade zur Wirtschaft und Politik. Denn diese beiden Faktoren sind es, die das Leben, das Zusammenleben der Menschen in der heutigen Zeit beeinflussen. Und wäre es so schlecht, wenn wir uns eine bessere Welt machten?

Jesus Worte fehlinterpretiert

Jesus oben angeführte Worte waren die Antwort auf die Provokation seiner Gegner. Sie wollten wissen, wie es Jesus mit der Steuerhinterziehung hält, ob er es für fair findet, wenn man den verhassten römischen Besatzern Steuern entrichten müsse. Dies hat Jesus mit ja beantwortet; vielleicht hat er das auch mit Hinblick darauf gemeint, dass er den Staat (also hier den Kaiser) als seinen Nächsten betrachtet. Immerhin wird mit den Steuermitteln meist dem Nächsten auch geholfen. Das es heute nicht mehr so ist und ein Großteil des hart verdienten Geldes der Staatsbürger für Zinszahlungen drauf gehen und immer weniger Mittel wirklich zur Disposition stehen (Ihnen sind doch auch schon die immer mehr verfallenden Straßen aufgefallen; gleichzeitig hat Vater Staat immer höhere Steuereinnahmen zu verzeichnen), steht auf einem anderen Blatt Papier.

Und genau darum geht es, genau das ist kritikwürdig und zutiefst unbiblisch und unchristlich! Es ist alles zum Selbstzweck geworden. Man bedient sich an der Staatskasse als sei es etwas anonymes, etwas das einem anderen gehört. Gleichzeitig will man aber nichts dazu beitragen. Das kann nicht ewig gut gehen. Und was passiert dann? Alle sind dann gewohnt, dass sie vom Staat alimentiert werden; wenn der nun nicht mehr kann? Was wird dann sein?

Nein, es braucht eine Rückbesinnung auf unsere christlichen Werte. Nicht in dem Sinne, wie es dumbe rechte Recken sehen, als Antipode und Verteidigungsmarke im Kampf gegen den Islam, nein, um uns wieder auf die Nächstenliebe zu konzentrieren, den Egoismus zurückschrauben der uns alle anderen als unseren ganz privaten Selbstbedienungsladen empfinden lässt. Man vergesse nicht die gute alte protestantische Tugend: Arbeit ist Gottesdienst. In diesem Sinne, zurück an die Arbeit, meint Ihr

 

Wirtschaft$Gott

 

P.S.: Alfons: Nichts für ungut, dass ich die Nachricht hier ausschlachte.

 

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , ,

9 Antworten auf "Dinge, die die Welt nicht braucht."

  • Helga says:
  • Helga says:
  • Leebox8 says:
  • Williams says:
  • Dingy says:
Kommentar hinterlassen